Gemeinnützige GmbH
Anerkannte Werkstatt für Menschen mit seelischer Behinderung

Psychische Erkrankungen

Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis
Merkmal der Erkrankung ist eine Störung des Realitätsbezugs, die sich z.B. durch das Erleben von Gedankenlautwerden, Halluzinationen, Wahnvorstellungen (z.B. Verfolgungswahn), Stimmenhören, Denkstörungen  etc. äußert. Betroffene nehmen Dinge wahr, die „objektiv“ von anderen Menschen nicht wahrgenommen werden. Manchmal kommt es auch zu Apathie, Sprachverarmung, verflachten Gefühlen, sozialem Rückzug und verminderter sozialer Leistungsfähigkeit.

Affektive Erkrankungen
Diese äußern sich durch Störungen der Affekte, der Stimmung und des Gefühlszustandes. Hier unterscheiden sich bipolare (manisch-depressive)von unipolaren Störungen, wie der Depression oder der Manie.

Manie
Eine Manie besteht, wenn die Person ständig oder häufig ein übersteigertes Hochgefühl, hektische Aktivität, euphorische Stimmung oder das Gefühl einer
erhöhten Leistungsfähigkeit erlebt. In der Manie kommt es oft zu erhöhter Risikobereitschaft, Überaktivität und Enthemmtheit, was nicht selten in Aggressionen umschlägt. Die Betroffenen leugnen häufig vor sich und anderen, dass es irgendein Problem gibt und reagieren gereizt, wenn sie auf offensichtliche Schwierigkeiten hingewiesen werden.

Depressionen
Menschen in einer Depression leiden extrem an dem Gefühl innerer Leere und am Verlust von Interesse und Freude. Eine Verminderung der Konzentration,
der Aufmerksamkeit, des Antriebs und der Leistungsfähigkeit setzt ein und verringert Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Schuldgefühle und Gefühle der Wertlosigkeit, Suizidgedanken, Schlafstörungen, verminderter Appetit und/oder Selbstverletzungen können als Symptome auftreten. Der Kranke sieht oft keinenSinn mehr in seinem Leben und Handeln, so dass es auch zu konkreten Selbstmordhandlungen kommen kann.

Borderline-Syndrom
Unter diese Bezeichnung wird eine Persönlichkeitsstörung gefasst, bei der Ziele, innere Präferenzen und das eigene Selbstbild unklar bzw. gestört sind.
Kennzeichen können z.B. sein: impulsives Handeln ohne die Berücksichtigung von Konsequenzen, wechselnde instabile Stimmungen, die geringe Fähigkeit vorauszuplanen und /oder gewalttätige bis explosive Zornausbrüche. Oft erleben Betroffene ein chronisches Gefühl der inneren Leere, knüpfen immer wieder unbeständige und unangemessene intensive menschliche Beziehungen und/oder unternehmen permanent verzweifelte Bemühungen, eine wirkliche oder eingebildete Angst vor dem Verlassenwerden zu bekämpfen. Wiederholte Suiziddrohungen/- versuche oder andere selbstschädigende Handlungen können auftreten.

Posttraumatische Belastungsstörung

Besonders gefährdet, eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) auszubilden, sind Menschen, die nur ein geringes Selbstwertgefühl besitzen, schon andere
traumatisierende Erlebnisse hatten, auf kein unterstützendes soziales Umfeld zurückgreifen konnten oder traumatisierenden Einflüssen (Folterung,
Vergewaltigung, Missbrauch) völlig ohnmächtig und/oder über einen längeren Zeitraum ausgesetzt waren.
Typische PTBS-Symptome sind bspw. Flashbacks (als blitzartiges Wiedererinnern von Teilen des Traumas), dissoziative Phänomene (z.B. mit Folge starker Empfindungslosigkeit) oder Taubheits- und Starrempfindungen auf körperlicher Ebene (z.T. einhergehend mit sexuellen Dysfunktionen).
Die Posttraumatische Belastungsstörung ist oft zusätzlich bei Menschen mit schweren Persönlichkeitsstörungen, Borderline-Störung oder Psychosen zu finden, wird aber manchmal nicht als solche erkannt und behandelt. Etwa ein Drittel aller Menschen erlebt im Laufe des Lebens ein schweres Trauma (seelische und/oder körperliche Verletzung), aber nicht alle entwickeln psychiatrische Symptome.

Angsterkrankungen
Angst ist ein Gefühl, das für das Überleben des Menschen unerlässlich ist ein normaler und notwendiger Teil unseres Lebens. Von einer Angsterkrankung spricht man dagegen, wenn die Angstreaktionen der Situation nicht mehr angemessen sind, zu lange dauern und/oder das Individuum keine Möglichkeit zu Erklärung, Reduktion oder Bewältigung mehr besitzt. Diese Angstzustände führen dann zu einer massiven Beeinträchtigung der Betroffenen.

 

Im Folgenden finden Sie eine Reihe kurzer Definitionen zu speziellen Formen der Angsterkrankung:

Panikstörung
Wiederkehrende, unerwartete, für den Betroffenen nicht erklärbar starke Angstreaktionen, die sich z.B. in Herzrasen, Atemnot, Brustschmerzen, Erstickungsgefühlen und Schwindel äußern.

Agoraphobie
Angst vor und Vermeiden von Orten oder Situationen, in denen eine Flucht schwierig wäre – etwa auf großen Plätzen, in Menschenmengen und Warteschlangen oder bei Fahrten in Bus, Zug, U-Bahn oder Auto.

Generalisierte Angststörung
Monatelange, nicht mehr zu kontrollierende Ängste, Sorgen und Anspannungsgefühle auch bei Alltagsproblemen, meist begleitet von Schlafstörungen, Nervosität und Reizbarkeit. Gilt als die am stärksten unterschätzte Angststörung.

Soziale Phobie

Angst- und Vermeidungsreaktionen bei sozialen Anforderungen – etwa in Gegenwart anderer zu sprechen, zu essen, zu schreiben oder an Partys teilzunehmen. Beginnt meist im Kindes- und Jugendalter.

Spezifische Phobien

Nicht nachvollziehbar starke Angstreaktionen gegenüber bestimmten Tieren (Spinnen, Schlangen etc.) oder Situationen (Höhe, Flugzeuge usw.)

Zwangserkrankungen
Wesentliche Kennzeichen von Zwangserkrankungen sind wiederkehrende Zwangsgedanken und/oder Zwangshandlungen (Wasch-, Zähl-, Kontrollzwang etc.). Betroffene erleben diese Handlungen oft als vorbeugende Maßnahme gegen ein angstbesetztes, jedoch relativ unwahrscheinliches Ereignis. Diese unklare Angst ist dann meist ständig vorhanden und verstärkt sich häufig noch, wenn die Zwangshandlungen unterdrückt werden. Zwangserkrankte Menschen werden durch den hohen Zeitaufwand in ihren sozialen Kontakten und der persönlichen Leistungsfähigkeit eingeschränkt.

Neben den hier beschriebenen Erkrankungen gibt es noch eine ganze Reihe weiterer psychischer Krankheitsbilder, wie z.B. die Anpassungsstörung (Betroffene können sich nicht an private, schulische oder berufliche Umgebungen anpassen), Belastungsreaktionen (die Person kann nach schweren „Erschütterungen“ wie Unfällen oder Schockerlebnissen das seelische Gleichgewicht nicht wiederfinden) oder Ess-Störungen (z.B. Magersucht und Bulimie) sowie unterschiedliche Suchterkrankungen.

Alle diese Erkrankungen haben eine gute Heilungschance, wenn sie richtig erkannt und behandelt werden, vorzugsweise durch:

- ärztliche Behandlung
- medikamentöse Therapien
- seelisch stützende Gespräche und/oder Psychotherapien
- soziotherapeutische Maßnahmen (z.B. Förderung praktischer   Fähigkeiten, Entwicklung von Umgangsformen, Rückfallprophylaxe,  Rehabilitation, Hilfe gegen Isolation)
- Selbsthilfe und Krankheitsmanagement

Quelle: "Psychisch krank – und nun?" Handbuch und Wegweiser für psychisch Erkrankte, deren Angehörige und im sozialpsychiatrischen Bereich Tätige

Herausgeber:
Arbeitsgemeinschaft der Selbsthilfegruppe für Psychose-Erfahrene, der Angehörigengruppe psychisch Kranker und der Selbsthilfegruppe Erwachsene
Kinder psychisch kranker Eltern in Kooperation mit dem Göttinger Gesundheitszentrum und dem Sozialpsychiatrischen Dienst in Göttingen
c/o Göttinger Gesundheitszentrum
Albanikirchhof 4/5
37073 Göttingen
Tel.: 0551/486766
Fax: 0551/42759

http://www.selbsthilfe-goettingen.de/fileadmin/download/informaterialien/wegweiser_auszug.pdf